Facharbeit: Dorf des Vergessens

Entwicklung des Dorfes

3 Entwicklung des Dorfes

In dieser Arbeitsphase wird der Anforderungskatalog im beispielhaften Entwurf des „Dorf des Vergessens“ praktisch umgesetzt. Die Entwicklung wird Schritt für Schritt kommentiert und begründet.

3.1 Erste Grundideen und Skizzen

Die ersten Schritte des Entwurfs wurden als Konzeptskizzen handschriftlich angelegt. Hier wurden Ideen gesammelt und probehalber zusammengestellt. Nach den ersten Überlegungen sind so drei wesentliche Grundideen entstanden.16 Die erste Skizze17 zeigt einen Kreis. Innen liegt der Dorfplatz auf dem z.B. eine Foodinsel sein könnte. Die Wohnungen sind auch als Kreis um den Dorfplatz herum angeordnet. Des Weiteren sind Gebäude am äußeren Ring des Entwurfes gezeichnet, die noch keine festgelegte Bestimmung haben.  Die zweite Skizze18 hat einen inneren Ring und einen äußeren Ring, die durch vier Wege miteinander verbunden sind. Dies soll unterstützen, dass die Wege im Entwurf kein Ende haben und einen großen Rundgang für die Bewohner bieten. Die Wohnbereiche der Patienten wurden jeweils als Häuserpaar beidseitig an den vier Wegen platziert. Zudem wurden die Verbindungswege an den Verbindungsstellen zum Kreis abgerundet, um die endlose Wirkung der Wege zu unterstützen. Eine Abbiegung von 90° deutet ein Weiterführen eines Weges wie an einer Kreuzung an. Die dritte Skizze19 hat als Grundidee eine Acht, wobei die Häuser an den runden Seiten dieser Acht und besonders in der Einbuchtung zwischen den beiden Kreisen platziert sind. In den beiden Kreisen der Acht bietet sich zudem noch Platz für eine Grünfläche mit Zierpflanzen oder ähnlichen.

3.2 Optimierung des ausgewählten Entwurfes

Die Entscheidung fiel im Laufe der Konzeptgestaltung auf den zweiten Entwurf, da dieser nach Meinung des Autors das größte Potential für die Weiterentwicklung zum Endentwurf bietet.
Als erste Ausgestaltung20 wurden zwischen den Häusern durch Beete mit Zierpflanzen abgegrenzte Sitzecken angedacht. Hierbei wurde sich vorwiegend auf den praktischen Nutzen bezogen. Dieser beinhaltet, dass die Patienten einen Rückzugsort neben ihren eigenen Wohnbereichen haben, wo sie sich alleine, aber auch mit Freunden und Besuchern hinsetzen können. Ein weiterer positiver Aspekt der Sitzecken ist, dass sie die „Lücken“ in dem bisher eher kahlen Entwurf füllen und die Umgebung lebhafter wirken lassen.
Der im Anforderungskatalog aufgeführte Pflege- und Versorgungsstützpunkt wurde als nächstes mittig in den Innenkreis des Entwurfs platziert. Damit der Stützpunkt dem Patienten zusätzliche Orientierung bietet, wurde er als Turm angedacht. Um die Orientierung weiter zu verstärken sollten alle anderen Häuser einstöckig gehalten werden, um ihn als höchstes Gebäude von allen Positionen innerhalb des Geländes sichtbar zu machen. Damit der Turm nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Orientierung bietet, könnte oben im Turm eine Uhr platziert sein, die man von überall draußen sehen kann. Die Lage des Turms hat den praktischen Nutzen, dass die Pfleger alles überblicken und jeden Patienten gleichschnell erreichen können. Da die Bauweise ähnlich der eines Leuchtturms ist, symbolisiert er den Patienten zudem Sicherheit. Die vier Verbindungswege wurden auf den Turm zugeschnitten, indem die Abrundung zum Innenkreis aufgehoben wurde und diese nun im 90° Winkel auftreffen. Jeder der Wege endet an einem Eingang zum Turm.21
Wie im oberen Teil beschrieben muss die planerische Gestaltung auch das Bedürfnis der Einbeziehung und Zugehörigkeit der Bewohner erfüllen. Die Gruppenräume wurden daher in den Innenkreis integriert und außerhalb des äußeren Rundgangs angelegt. Im Turm wird es deshalb im Erdgeschoss einen Gemeinschaftsraum geben, das obere Stockwerk wird als Pflegestützpunkt genutzt. Am Rand des Geländes werden die Aktivitätsflächen angelegt. Der praktische Nutzen dieser Konstellation ist, dass die Patienten während ihrer Spaziergänge immer an einer Gruppenaktivität vorbeikommen und sich eingeladen fühlen einzutreten und zu beteiligen. Dazu können die Pfleger alle Orte gleichschnell erreichen, da sie die Aktivitäten natürlich betreuen und begleiten müssen. Der symbolische Wert diese Anordnung besteht darin, dass die Patienten mit ihren eigenen individuellen Wohnbereichen von der Gemeinschaft der Bewohner umgeben sind.  Die Anordnung der Aktivitätsflächen im Außenkreiß richtet sich nach der Umgebungslage des Dorfes.22 Hier fließt besonders die vorhandene Infrastruktur mit ein. Genutzte Gebäude werden als natürliche Grenze akzeptiert, während einfache Zäune ein Eingesperrt sein vermitteln.
An anderen Stellen des Entwurfs wurden im weiteren Schritt 23 natürliche Grenzen wie ein Streichelzoo oder ein Blumenfeld als Abgrenzung gewählt. Ziel sollte sein, mit natürlich erscheinenden Begrenzungen ein geschlossenes System zu erschaffen. Ein ungewolltes Verlassen des Geländes darf nicht möglich sein, da dies die Bewohner gefährden würde. Daher müssen Tore und Türen mit Trickschlössern wie Zahlencodes gesichert sein. Die in ihrer Wahrnehmung gestörten Patienten erkennen z.B. eine als Bücherregal getarnte Tür nicht als solche. Ein angelegter Wald umrundet abschließend das ganze Gelände als naturbelassener Einband. Um die tägliche Beschäftigung der Patienten zu fördern, wurden dann Aktivitätsmöglichkeiten in den Entwurf eingeplant, bei denen die Bewohner mit einbezogen werden können. Z.B. eine Küche, in der sie bei der Zubereitung der Speisen helfen können. Oder das Hausmeisterhaus, in dem kleinere Reparaturen ausgeführt werden können. Gleichzeitig kann der Hausmeister bei der Gartenpflege oder der Versorgung der Tiere im Streichelzoo unterstützt werden. So können frühere Fertigkeiten oder Gewohnheiten der Bewohner unterstützt werden. Ein geplanter Einkaufsladen vermittelt den Bewohnern das Gefühl der Normalität. Indem sie selbst aktiv Dinge kaufen können behalten sie ein Stück Selbständigkeit und freie Entscheidung. Es gehört zum Leben dazu, einkaufen zu gehen.
Ein Rathaus stellt im einem weiteren Schritt die Verbindung zur Außenwelt her. Da das Servicecenter direkt hinter dem Rathaus liegen wird, ist es ein Bezugsort für Besucher und Pfleger gleichermaßen. Ein geplanter Kindergarten mit dem Kinderspielplatz zum Rundgang hin könnte den Bewohnern viel Abwechslung und Beobachtungsmöglichkeiten bieten. Auch können hier Begegnungen zwischen Kindern und älteren Menschen gefördert werden, wie es sie schon heute in vielen Altenheimen gibt. Die eingezeichnete Boulebahn soll vor allem das Bedürfnis nach Beschäftigung erfüllen. Die Bushaltestelle erfüllt einen ganz besonderen Zweck. Bewohner, die viel Laufen, erkennen in einer Bushaltestelle einen Ort des Wartens, setzen sich also hin und ruhen aus. Um die Weitläufigkeit des Entwurfs noch zu unterstützen wurde ein Streifen Grünfläche um den äußeren Rundgang hinzugefügt.
Als letztes wurde noch eine große Zufahrt entworfen. Diese wurde als Fortsatz des Küchenhauses an das Rathaus gezeichnet24 und somit für die Bewohner unsichtbar gemacht.

3.3 Der Endentwurf

Um die Skizzen maßstabsgetreu zum Endentwurf zusammenzufügen wurde von hier an mit dem Programm Archicad in der Studentenversion digital gezeichnet. Beim Errechnen der Maßstäbe erschien es sinnvoll, zugunsten der Weitläufigkeit des Geländes die zwei Häuser pro Straßenseite zu einem zusammenzufassen und zwei Wohnungen pro Haus zu setzen. Nach einigen Versuchen, alle Ideen proportional richtig darzustellen, sind die Maße entstanden, die jetzt auf den Bauplänen zu sehen sind.
Zum Abschluss wurden nur noch die restlichen Gebäude und die Umgebung designt und Besonderheiten wie Foodinseln, an denen die Bewohner ähnlich wie an Buffets ständig Getränke oder Snacks einnehmen können, eingezeichnet. Bei den zu vergebenden Straßennamen sollte besonders darauf geachtet werden, dass sie die Umgebung der jeweiligen Lage des „Dorf des Vergessens“ berücksichtigen. Daher wurden im Entwurf die Orte der Grafschaft Bentheim als beispielhafte Namensfindung eingefügt.
Die detaillierten Ausplanungen der Grünflächen, der Sitzgelegenheiten, der Inneneinrichtungen der Wohnungen und der Aktivitätsflächen wie Boulebahn und Streichelzoo unterliegen nicht mehr der Städteplanung und werden daher in dieser Facharbeit nicht näher ausgeführt.
Der alles zusammenfassende Entwurf wurde unter unterschiedlichen Voraussetzungen auf drei vorbereitenden 25und einem kompletten Endentwurf26 gedruckt, wobei die ersten drei Pläne nur der Leserlichkeit der Maße dienen. Sie sollen den Erstellungsprozess darstellen und eine Überschneidung der Bemaßungen verhindern.
Der beschriftete Endentwurf an sich vereint alle in dieser Facharbeit erdachten Ideen unter den zu berücksichtigenden städteplanerischen Anforderungen. Zur besseren Präsentation wurde zudem ein Ausdruck auf eine stabilisierende Platte aufgezogen.


16) Anmerkung: Alle zur Facharbeit gehörenden Skizzen und Entwurfpläne befinden sich durchnummeriert im Anhang.
17) Siehe Skizze 1, Anhang
18) Siehe Skizze 2, Anhang
19) Siehe Skizze 3, Anhang
20) Siehe Skizze 4, Anhang
21) Siehe Skizze 5, Anhang
22) Siehe Skizze 6, Anhang
23) Siehe Skizze 7, Anhang
24) Siehe Skizze 8, Anhang
25) Siehe Entwurfplan 1, 2 und 3 im Anhang
26) Siehe Entwurfplan 4 im Anhang

Anhang:

Skizze 1

Skizze 2

Skizze 3

Skizze 4

Skizze 5

Skizze 6

Skizze 7

Skizze 8

Entwurfsplan 1

Entwurfsplan 2

Entwurfplan 4

Entwurfsplan 3