04.05.2016: Schwetzinger Lebens(t)raum präsentiert sein Konzept Vision „Mehrgenerationenwohnen“ auf ehemaligem US-Gelände

(jr). Wenn am Donnerstag der kommenden Woche der Gemeinderat der Stadt sich im Rahmen der Machbarkeitsstudie mit der weiteren Vorgehensweise

bezüglich der Konversionsflächen auf dem Areal der ehemaligen Tompkins-Kasernen befasst, wird ein Verein in Schwetzingen diese Diskussion sicherlich gespannt mitverfolgen.

Seit 2013 die ersten Verlautbarungen um den US-Truppenabzug und die potentielle Nachfolgenutzung laut wurden, hat der Förderverein „Schwetzinger Lebens(t)raum“ seine eigene Vision zur künftigen Nutzung entwickelt und vertritt diese auch öffentlich.

„Wohnen – arbeiten – lernen – genießen“ auf dem Tompkins- Gelände lautet die Devise von Vorstand Dieter Konrad und seinen Mitstreitern. Von der Gründung des Vereins vor drei Jahren bis heute sind viele Ideen und Visionen in das Konzept miteingeflossen, bis hin zu einem Projektentwurf, den der Verein jüngst auch beim Tag der Vereine vorgestellt hat: Konkret handelt es sich laut den Machern um den Versuch, eine „realisierbare Antwort“ auf die gesellschaftlichen Probleme und Anforderung an die Gesellschaft in den nächsten 10 bis 20 Jahren zu geben.

Integrativer Charakter

„Mehrgenerationenwohnen“ heißt das Zauberwort: Auf der gesamten, rund 37 ha großen Fläche soll nach dem Willen der Lebens(t)raum-Macher unter den Leitgedanken Sozialverträglichkeit, Ökologie und Umweltschutz ein Mehrgenerationenstadtteil entstehen, Integration und Inklusion inklusive. 20.000

Quadratmeter nutzbarer Wohnfläche, laut Ansicht des Vereins im „vor kurzem sanierten, guten Zustand“, stünden mit den denkmalgeschützten Hauptgebäuden zur Verfügung.

Gesellschaftliches Netzwerk

Die bestehenden Gebäude des Kasernenareals sollen dabei als Wohnraum, Büros und Gemeinschaftsräume genutzt werden, verbunden mit einem sozialen und gesellschaftlichen Netzwerk. Eine Sozialstation, Krankenwohnungen, Gemeinschaftseinrichtungen, Gästezimmer, Begegnungs- und Sportbereiche sollen dabei ebenso Bestandteil sein, wie ein sogenanntes „Demenzdorf“ – in dem an Demenz erkrankte Menschen Teil des täglichen Lebens bleiben und von der Mitbevölkerung quasi „mitgetragen“ werden.

Bildung Teil des Plans

Auch eine Kindertagesstätte und Kindergarten, eine Gemeinschaftsschule sowie ein Campussind Teil des Entwurfs. Behindertengerechter Zugang zu Wohnungen und Gemeinschaftseinrichtungen ist dabei ebenso vorgesehen. An Ideen und Visionen

mangelt es nicht: „Wer in seinen vier Wänden allein sein will, kann das tun. Es gibt aber die Möglichkeit, nur vor die Tür zu gehen, um anderen zu begegnen und Wahlverwandtschaften anzuknüpfen, und es gibt Interessenten, die konkrete Vorstellungen an neuen Wohnformen haben“, schreibt der Verein auf seiner Homepage.

Wohnungsnahes Arbeiten

Den Willen der Stadt, einen Teil der Konversionsfläche zur gewerblichen Nutzung auszuschreiben, sehen die Lebens(t)raum-Macher dabei nicht als Widerspruch: Auch ihr Entwurf sieht vor, einen Großteil der Fläche für Gewerbebetriebe vorzuhalten.

Hier steht der Gedanken des arbeitsnahen Wohnens bzw. des wohnungsnahen Arbeitens im Vordergrund.

Genossenschaft geplant

Und das Finanzielle? „Die sinnvolle Umgestaltung und Nutzung erfordert vergleichsweise geringe finanzielle Mittel“, schreibt der Verein. Derzeit strebt man einen Finanzplan an, der vorsieht, dass Bund bzw. BIMA oder bei einem etwaigen

Kauf die Stadt dem Verein das Gelände in Erbpacht überlassen. Der Verein wiederum will als gemeinnützige und nicht gewinnorientierte Genossenschaft firmieren. So können sich potentielle Mieter in die Genossenschaft einkaufen und den Mietzins reduzieren. Die Miete möchte Lebens(t)raum sozialverträglich ab etwa 6 Euro/m² ansetzen, so dass auch sozial schwache Personen und Familien sich dort ansiedeln können.

Die Genossenschaft basiert auf demokratischen Strukturen: Jedes Mitglied hat unabhängig von seinen eingezahlten Geschäftsanteilen eine Stimme, das höchste Organ ist die Mitgliederversammlung.

Die Mitglieder – demnach gleichzeitig die Bewohner – genießen lebenslanges Wohnrecht, ihre Einlagen bilden die wirtschaftliche Basis.

Viele Faktoren

Wenn am Donnerstag der Gemeinderat der Stadt also über die Vergabe der Machbarkeitsstudie entscheidet, müssen auch solche Ideen miteinbezogen werden. Abwägen müssen die Räte in jedem Fall viele Faktoren.

OB Pöltl hatte sich in der Vergangenheit bereits durchaus skeptisch geäußert, was

die Umsetzung des Lebens(t)-raum-Entwurfs auf dem gesamten Gelände angeht, gleichzeitig aber durchaus grundsätzliche Dialogbereitschaft signalisiert.

Der Lebens(t)raum-Vorsitzende Dieter Konrad ist sich jedenfalls in einem sicher: Würde sich das Projekt durchsetzen, wäre es deutschlandweit das erste in dieser Dimension und damit einzigartig: „Dann“, so Konrad, „würde Schwetzingen im Jubiläumsjahr wirklich Geschichte schreiben.“

(Schwetzinger Woche 4. Mai 2016 · Nr. 18)